madless
#107 Welt in glorioser Ratlosigkeit
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Der Winter wehrt grimmig
rituelle weißflockige
Showeffekte ab, wahrscheinlich
vermasselt wieder ein
Panama-Briefkasten nach Belieben,
die Verschwörungsthriller laufen

sich hitzig und in einem düsteren
Sequenzer-Ton-Gekritzel wird
frostiger Atem zur visionären Veranstaltung,
die grau zusammengeballten
Wolkenklumpen klingen,
als würde Dr. Mabuse täglich mit

hässlichen Realitäten
auftrumpfen und sträubt mit
feinsten-feisten Klöppel unsere Nackenhaare,
die drei musealisierten Frauen vor dem
Backshop mit ihren Hunden die wie kleine
Haken aussehen, ziehen sich früh

ihr erstes Bier rein, der Existenzialismus
trägt schwer an ihrer „stumpf ist Trumpf“-
Debatte, dazu noch der dunkelhäutige
Verkäufer, der mit seinen reimenden
Mundwerk aus der Irrelevanz auftaucht
und mit Strategie kommuniziert,

die depressiv-luzide Tetrarchengruppe
bändigt mit scheppernden Stimmen
ihre bellenden Begleiter, es liegt
schon der erste chronische Erschöpfungszustand
in der Luft, der neue Verkäufer
sorgt für Kontinuität in der Diskontinuität,

mit einer verwachsenen Körperlosigkeit
sammelt er das Gebäck mit
Lockerungsübungen in die Tüten,
ein Inselchen im Meer der
irrationalen Möglichkeiten, Schneeflocken
tanzen plötzlich wie zur Entrümpelungsaktion herab.

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