madless
#110 Nachtfalle
Autor:

Die einen können nicht schlafen,
das Döschen mit Benzodiazepin
schon aufgebraucht, man wartet auf
das rasante Fortschreiten und macht
zähneknirschend bereit sich für die Nachtmahr
oder als erschrockener Samsa erlebt man

die Behelfsunterkunft Depression,
doch sitzt man auch zwischen den Stühlen,
das perfekte Kommunikationsmodell ist nun
die Ruhe, Hunde beenden Gekläff und
die verhaltensauffälligsten Streithähne
sind vom Brüllen mit ihrer emotionalen

Sprache erschöpft, der Blick zur Uhr weist
auf fortgeschrittene Zeit, der Gang zum
Fenster, draußen ist es jetzt totenstill,
die Trambahnen haben sich schlafen gelegt
und nur ein paar Sprayer geistern unbeobachtet
herum und einer hat vor, heute ein Porträt

wie van Dyk eines vom ihm verehrten
Rock-Gitarristen zu sprayen, der Übernächtigte
begreift, dass er in seiner biologischen
Existenz alleingelassen ist, wenn man
wenigstens ein paar Dinge erlebte,
die unter der Edelkluft der Nacht umsichtige

Diskretion erfordern, ach wär man doch just
in den Momenten gehörlos, dann hörte man
die Stille nicht, die überreguliert
Fremdherrschaft im Raum übernimmt,
die Augen verkrampft zugedrückt,
Lichtblitze tanzen eruptiv wie Pina Pauschs

Kompanie durch Wasserpfützen,
atmosphärisch luftig plätschert Entspannungsmusik,
doch die Kunst der Schlaffheit wird mit der
destruktiven Soße nach Ruhezwang übergossen,
da kann noch nicht mal ein Anwalt helfen,
wartend auf die Einschiffung in den dunstigen Schlaf.

Impressum