madless
#113 Sturm
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Europa muss seine ikonisierte
Schlafmützigkeit aufgeben,
ungebremst fegt ein Sturm,
Politiker pflegen ihren
Frosch im Hals und defilieren
unter dem Staub zum

Glanz und Gloria-Buffet,
mediale Inszenierungen zur
aufgeführten Tragödie, dessen
Drehbuch der Synthese von
Unterdrückung und Flucht folgt,
die Chancen zur Versöhnung

sind so weit weg, wie wenn
Stephan Hawking über Nacht
laufen kann, Bayern fühlt sich
bedroht, so wie 200 Jahre zuvor,
von Österreichern und von dem
napoleonischen Wirbelwind mit

seiner Kokarde, aus allen Ecken
wird vom Wir gesprochen,
spaltet sich aber doch zum Ich
und Martin Bubers „Anderes“ wird
wohl kaum zum revolutionären
angenommenen Anderen,

in den Aufnahmeplätzen herrschen
Missmut unter den Ehrenamtlichen,
der Deutschunterricht für Syrier,
Afghanen und Iraker aus eigener
Tasche mit Lückentext bezahlt,
mühsames Lernen mit Freund-Feind-

Dogma, die Stimmung löscht
Europa dickbäuchig dünnhäutig aus,
Sozpäds schwurbeln im hohen Wolfsfalsett
mit Verantwortungsvermeidungsethik,
jeder zehrt am dionysischen Prinzip,
dass der Wohlstand unendlich ist.

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