madless
#122 Süße
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In der Kaffeebar kolonialisierte Gebiete,
strahlend weiße Körnchen,
blasphemische Fingerzeige auf
Aspertamtütchen, die spirituell verkümmerte
Wohlstandsgesellschaft klammert
sich konsequent an Trennung der

Reststücke einer kleinen
Warteschleifenverheißung, mit typischer
Verweigerungshaltung wird auf die
die dekorative Schale gestarrt, Zuckerwürfel
als Initiativen für erotische Anspielungen,
mehrtägiges Fasten derjenigen die

ihre Degradierung wieder verlassen
wollen, Verwirrung der Sinne,
wenn süßes hemmungslos verspritzt,
so stehen tradierte Torten
mutterseelenallein in der Vitrine unter
dem dicken Puderzuckerrand,

und heute gilt, je weniger schwere Süße,
desto näher die Hinwendung
zum Gebet, wie in der alten Kirchenbaukunst,
kein Zuviel an Ornamentik das die
Beflissenheit der ideologischen
Gedanken stört, vertiefte Kluft, die nur diesem

Ungeheuer Zucker zu verdanken ist,
mit übereinandergestellter Volumina
werden die einen dann klagen,
dass sie zu sehr den süßen Dingern vertrauten,
die anderen geometrische Konstruktionen,
die sich in der Länge entfalten und dem

Schmatzen nur Verachtung abgewinnen
können, einige träten am liebsten im
Kettenhemd an, mit ihren Attributen
göttlicher Macht gegen das Böse,
Süße, die mal raffinierte Elemente versprach,
heute ausgeschlossen, wie im Spiel verloren.

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