madless
#128 Prassende Wunderkammer
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Salzburg im sozialverträglichen Tempo,
versinkt nicht nur in Gemütlichkeitsfalle,
gibt sich ignorant genug
Schicksalsjahre zu bewältigen,
ohne mit der Wimper zu zucken,
werden Skier durch Markartplatz getragen,

im harten Wettbewerb gewinnt
Kunstschnee, standortfremde Pflanzen
ersticken, Muränenabgänge betäubt
in Table Dance-Bar, es bleiben
utopische Szenen, hadernd am
zornigen Ablaufdatum,

die störende Natur verunsichert
den Sportler nicht mehr, mit neuen
Ideen macht man sich bald
zum Komplizen der Permafrost-Schmelze,
Ski-Träger verstecken in der Wildnis
einer Spelunke ihre Trübnis,

Größenwahn und kapitalistisches
Allmachtsstreben prunken mit
nostalgisch Mozartscher Seele,
das Treiben der verwirrten Moderne
wird mit historischer Asche bestäubt,
Schnee nur noch Brinkmanns

schwarze Pfützen, Fortschritt wird
weiter enthemmen, Geldentwertung
und mikroskopisch kleine Probleme
mit Bründlmayer Brut verschmerzt,
eine osteuropäische Bettlerin schmettert
„hello, you“, als bummelt sie durch Soho,

der Weg zum „Rupertinum“ nur die
Probebühne, den Innenraum so weit
zu öffnen, matte Berührungsängste,
das zweite ICH, es kann ein Feind sein,
doch tönt es geschickt durch
die Grauzone des Alltags.

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