madless
#141 Kluft
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Eigentlich pflegte sie hier lange
Gemeindedienste, die Oma,
bloß sie sah es nicht mehr ein,
immer artig zu sein, Investoren
dominieren Monopoly mit ihren
leistungskomprimierten Tretrollern,

Kieselsteinchen eine Irritation des
Scheiterns, zu jedem Zeitpunkt
unpassend, erniedrigende Absichten
bei der Wohnungsübernahme
werden noch nicht mal ummantelt,
der Pergola im Hof hat auch schon

das letzte Stündchen geschlagen,
bloß sie weiß es nicht, Unwissenheit
kann so gütig sein, soll sie sich jetzt
in die neue Lebenssituation wie ein
Toaster einfügen und im Krümelschub
einfach davon fliegen, sicher wird die

Straße jeden Tag ihren Namen rufen,
wenn sie wie in einer Rückführung
an dem Ort sitzt, dessen Adresse
sie noch nicht mal behalten will,
Entblößung vor dem Amtsvorsteher
ist ihr verpönt, die m2-Angebote

eine sarkastische Hommage an
die verheerende Kollektivierung der
nun apathisch Fremdbestimmten,
die ihre vergilbten Bilder abhängen,
im dunklen Keller sang der Junge,
der nur die Mäuse vertrieb,

über Nacht sind sie Kafkas Schüler
geworden, schuldlose Verstrickung
die Chance in der Unfreiheit als
Ohnmächtige die Illusion von Freiheit
zu finden, die 9kalibrige Walther poliert,
gleich kommt er, es ist ihr egal, ob sie eine Trümmerwüste hinterlässt.

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