madless
#144 Wir waren blind
Autor:

Unter den Säulenbaldachinen
saßen wir wie thronende nimbierte
Figuren in den Kaffeeküchen,
wie eine Gilde, die Gleichheit
vor sich hertrug, als Idealbild
der Gesellschaft, in der wir das

ewige Leben im Paradies pflegten,
der Wüstenheilige mit den
zerrissenen Hosen und dem
Bettelplakat vor sich, allegorisches
Sein bei dem man nicht unbedingt
der coolste Soziopath aller Zeiten wird,

die scheinbar harmlose Installation
wider den bekifften Hedonismus,
legt sich als Eisenfeilspäne
auf unser Kimchi Suppengrün,
und die Straße, die Verlängerung
der Wohnung und nicht dem

Gedanken verfallen, auch ein
Bestandteil des dramatischen
Gewebes zu werden, jeder Tag
ein Popkonzert, keine
Auszehrungszustände erlaubt,
nur im Land wo die Pferde

und Rinder weinen,
den Schlachthöfen werden
ein paar sentimental und halten
mit Geschwafel und emotionaler
Verstümmelung ihre Hunde
in morschen wackligen

Genossenschafts-Pallazi,
in denen man sich einen
Aleister Crowley mit seinen
luziferischen Spindeln wünscht,
seltsame Neigungen brechen
aus den Menschen bald wie aus Tiberius-Faulwasser hervor.

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