madless
#149 Auf dem Narrenschiff
Autor:

Manche haben Heimweh
nach dem Einst, während
Europa sich in neuer
Sprache grammatikfrei versucht,
im vollen Glanze des Goldes
aus Amerika, reicht es nicht

die Wirklichkeit der mageren
Ausdrucksfülle zwinkernd zu
kaschieren, es wird schon Zeit
für Geisteraustreibung,
erste, voluminöse Psychotherapeutinnen
machen sich weise dreinblickend

für Weltrettung bereit,
doch in ihrem täglichen Gang
durch die Straßen bellen und grollen sie,
dass sich sogar noch die SUV-hohe
Dogge winselnd verzieht,
die Dicke aus der Wohnung gegenüber

führt ihren Pinscher aus, emotionales
Bargeld, das sie im Gebärdenspiel
Ihres Alleinseins am Spielautomaten
„Bei Erich“ ausgibt, und sich drüber
ärgert warum die nigerianische
Studentin kerzengerade ohne Geklapper

vor ihr geht, jeder Tag ist
Vorbereitung auf Karneval,
Autos defilieren im Straßenverkehr,
deren Roboter bleiben vom
Defilee der schönen Beine unbeeindruckt,
vielleicht werden sie auch ausgelassen

in die glattgestriegelte und –gegelte
Bankerschar, die sich auf ihr
Schnitzel freuen, brausen, in Amerika
steht ein Pate mit Toupet vor dem
Spiegel und setzt sich die Krone für sein
Weltreich ohne den Hauch platonischer Erschöpfung auf.

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