madless
#152 Unsterblich im Gegenwartsüberdruss
Autor:

Keinen Schimmer warum sie immer
noch lebt, der Drachenbaum aus dem
Baumarkt noch zu Mark-Preisen,
seh hier keine flatternden Engel,
die metaphysischen Esprit verteilen
auch kein Böcklin, der darauf wartet

das Gerippe auf eine Wolke zu setzen,
in radikalen Abgemagertheit die Grenzen,
verdichtet das entsinnlichte Dasein,
hat den Mauerfall mitgemacht,
Umzüge sowieso, kombiniert mit Sonne
Beziehungsspektakel mit Lärm und

the sweetest condition bis der ein oder
andere ausbrennt, in ausgesperrter
Leere sich zum Studium zurückgezogen,
Augenblick der Isolation, manchmal
das Gefühl als verströmt Bacon
geschundene Körper, karger Anblick,

der in kontinuierlicher Abgrenzung
sich auch als Duchamp-Requisit
stellen lässt, vielleicht sieht sie
misstrauisch, hinterlistig auf das
Chaos der Welt und ist so starr von
ihrer Auslöschung entfernt,

anscheinend muss der Pflanze Dasein
immer bestimmt von Gegenwehr sein,
die nackte schirmartige Krone ein
Staubfänger, der sich um Feinheiten
nicht schert, unrhythmisches Gießen
befeuert anscheinend die Bartleby-

Haltung und steht mit den verknorpelten
Verdickungen als Minimal-Wave-Figur da,
es fehlt nur noch metallisches Zirpen,
doch dann breiten sich am alten
Blattansatz neue Triebe aus, ungeniert
aus der eigenen Ruine auferstanden.

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