madless
#3 Liebesdrang asketisch
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Das niedere Reich der Vergnügungen,
war doch auch mal ein kultischer Ort
für freie Radikale außerhalb Gottes
Gesetzen, nach dem Grundmuster
„Will heute eine Frau/Kerl flachlegen“,
mit Zerstörungstrieb und dem

gründlichsten Antiaphrodisiacum,
der zugehörigen üppigen Bank
an miesen aber bewusstseinslösenden
Drinks, in der Nacht sich scharfschnittig
wälzend. Ohne Binnendifferenzierungs-
schnickschnack. Und gut war es.

Durch die Liebeskrisen gebeutelt
gab einer noch seine mickrigen
Ersparnisse aus, weil im Bietergefecht
am Tresen noch die nebensächlichste
Eine interessant wurde, Wertgefühle
wechselten rasch, der Morgen danach

sogar zum Spott viel zu apathisch.
Die nervöse Reizbarkeit wässert die
Strecken die von den Kreischfarben
sich totspielten, in der Kantine
sitzen die Eisernen, zu deren Äußeren,
ganz einwandfrei, die kalte Miene gehört.

Diener der Vergnügungen, die den
tödlichen Ernst ihrer Absagen an der Tür
nun mit gespenstischen Eigenleben
beim Rühren in ihrer Espresso-Monstranz
unbesehen fortführen. Von der
hedonistischen Ethik schweißgebadet.

Die Gleise konservieren die intensive
Rotfärbung der Lippen und ein Partyjäger
verfasste Liebesbriefe mit seinem Blut
an die knechtisch Selbstenthüllte,
die ihn kastriert wünschte. Natur, mit Sinn
für Askese aus dem Gleichgewicht gebracht.

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