madless
#31 Unter Flößern
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Aus Wolfratshausen wird das
Holz für das Schiff der Phäaken
angeliefert, kunstverständig schaut
die Reiseschar auf Bierfässer und wo
Odysseus sich noch am Sternenhimmel
orientierte legt man die Geschicke

des Navigierens in des Flößers Hand.
Dem ist an manchen Tagen Dixie-
Land- und Blechmusik ein Dorn im
Auge und jedem der wie Kelly Slater
auf der stehenden Welle sich mit Surfbrett
biegt  wünscht er kurz einen Eisbachknall,

dass der Terror absoluter Freiheit,
nihilistische Überfliegerei auf allen
Weltmeeren zu des Surfers “Titanic” wird.
Tonnenschwer hängt Chaos an des
Flößers Hals, die Frau, der Sohn, jedes
Lächeln verlangt nach einer Petition,

dazwischen die Eisberge, bereit zum
Jüngsten Gericht. Die Gesichter an Bord
geheimnisfrei, ein paar Wasserspritzer
kratzen an der halbleeren Eitelkeit,
doch misanthropische-rauhbeinige
Individualisten haben bei Schönwetterlage

keine Chance, ihr Grollen braucht eh eine
Verschnaufpause. Die ersten Schnapsgläser
schaukeln in die Runde, realitätsgesättigte
Bodenständigkeit  prostet sich mit naiver
Gemeinschaftsessenz und den Weberschen
Sekundärtugenden mit der Pflicht zur

Freundlichkeit zu, Nörgler werden in die
Isar geschubst, der Autopilot mit emsigen
Windstäubchen in Luftmaschenschlaufen
eingedreht, der Flößer kommt mit seinem
Boshafts-Sortiment zur Ruh, stolz führt er
wie ein Kapitän iberischer Schiffsflotte, das Floß.

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