madless
#35 Einfach mal wegschießen
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Über dem Chiemsee schimmert
die Maschine der Unsterblichkeit,
König Ludwig II. schließt sich mit
Marilyn weg, sind dabei ihre strahlende
Autonomie nicht mit toxischen
Cocktails bei dem unruhigen

Besichtigungsansturm wegzuschießen,
an den überfüllten Kassen schleudern
sich die Glieder und unverfälschte
Gebrauchs-Schimpfästhetik in den
Himmel, so als hätte J. B. Zimmermann
Ihn aus der Herrenchiemsee-Bibliothek

als Boshaftigkeits-Landeplatz
freigelassen, Klangkulisse für
Irrtümer, die in der Dreiflügelanlage
In den vergoldeten Prunksälen ihren
Abstellplatz finden. Am Chiemsee-
Frachter laufen Schweißperlen über

Falten und Brotzeitpäckchen,
aus hygienischen Gründen parfümieren
einige in der Warteschlage nach,
wärs die letzte Arche Noah, schaut man
vielleicht lieber bei Mondlandschaften
vorbei und glotzt auf die Korsettmoden

die einfallslos Ausschnitte deklinieren,
der Chiemsee zeigt nur dezent seine
sexuelle Sprengkraft, am Bord-Kiosk
bunte Tütchen die vielleicht bei dem
Fortuna-Brunnen im Schlosspark ihren
Einsatz finden, ein paar Spazierstöcke

mit silberner Dackelschnauze kommentieren
verschlüsselt schmatzende Bewegungs-
gesetze, am Landesteg schieben sich
Lustwandler entlang, „Schlampe“-Ruf
glockenhell, dämonisch  kleine
Jungen-Zunge verflüchtigt sich in den See.

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