madless
#36 Übers Wasser laufen
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Metallisch leuchtende Strahlen
wirft die Sonne an den Solarbaum,
Wiederverwertung, günstig, ist ja
nicht jeden Tag so gut drauf,
ein Hauch Unsterblichkeit liegt in
der Luft, kein Ärgernisgeschrei

kippt die Stimmung wie ein
Chirico-Bild, unglaubwürdige
Utopie und Wirklichkeit,
artistisch verzieht Apocalypsoshit
sich zu Planet X, die noch unbekannten
Lebewesen können geheimnisvoll

rumspekulieren. Aus den Kinderwägen
tönt kein authentisch manifestiertes
Gebrüll, die Ruhe mit der genussvoll
an der Eiskugel dahin schmelzenden
Mutter hat fast laborähnlichen Charakter,
die Stimmung zerbrechlich einnehmend,

manierliches abtastend wie unter Glas,
das Buch der Unruhe bleibt fürs Erste
zugeschlagen, am Himmel gekreuzte
Klingen, als wären Gallionsfiguren
aus dem Nymphenburger Park im
Rennschlitten mit Bacchus und

Diana aufeinander zugebraust,
der Park staubkörnchenfrei, aus dem
Palmenhaus blickt ein Siddhartha,
der nicht mal auf die Nerven geht,
neben der „Galleria della bellezza“
kämmen Italiener und Russen ihr

Haar vor den matten Spiegeln,
während Damen das Schnappen der
Hydra mit eifrigen Dekolletézupfen
regulieren. Aus Plaudertaschen
werden heute sogar Kavaliere und
fast glaubt man übers Wasser zu gehen.

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