madless
#37 Panoramablick geschwächt
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Ausflugsstimmung, Kinderwägen
platzen vor Notbehelfsproviant,
Werktagsapathie mit Kopfhörer-
Befestigungsanlage ergibt sich der
Sonnenglanzdominanz, scherzende
Mütter am Bahngleis, nachtlebenzerstörte

junge Männer halten ihre Bierkanonen als
unmissverständliche sexuelle Metaphern
in der Rechten, ihre Köpfe verschwommen
in Gummi, ein letztes Aufbäumen der
Gesänge „Halbtoter, mehr grauenhaft als
modern, Interpretationen vielleicht später

beim Mittagsblick über den Ammersee,
die Karawane trabt stoisch zum Ufer,
vereinzelte stoisch sich aneinanderab-
arbeitende Ehepaare vergewissern sich
mit picksenden Fragen der Schlichtheit
des Anderen. Am Schiffsteg noch

stimmiges Lachen, beim Verladen zurück
im Sonnenzenith die Blicke eine stenge
Symmetrie der Strafexpedition. Ins Schiff
drängeln mit ausdrucksstarker körperlicher
Präsenz, ironische Distanziertheit ziert
das Bord-Personal des Schaufeldampfers,

die Räder drehen sich im automatischen
klatschenden Singsang, Picabia setzt
locker kantige Wellen entgegen, blaue
See stupst ein paar bunte Tretboote
herum, intensive Farbversuche wie bei
Redon, den Netzhauteffekt nicht scherte.

Am Ufer rigorose Nüchternheit, Paare
führen Hundetrios im Paillettenband aus,
um die wuchtigen Hüften Trickotzeug,
ihre Wut auf andere Hundebesitzer
führt bald zu Verstopfung, jeder ein Aas.
Der See: blendend im Gleichgewicht.

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