madless
#38 Stay at home
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Der heißeste Tag, 35 Grad schmoren,
die Sonne hat ihren Belüftungsregler
vergessen auszuschalten, absichtlich
totale Überhitzung vorantreiben,
vom Glück des Zuhausebleibens
erzählen Tage am Balkon die Grantigkeit

wie feine Sempé-Striche wegsprühen,
rauf auf den neuen Starnberger See
Katamaran, muss ja nicht immer
Mittelmeer sein, das Schiff ist so breit,
dass man sich wie Epikur beim
Umhergehen im Garten fühlt,

Jugendliche werfen Plasteflaschen
den brotfleckenschnappendem Gefieder zu,
alle machen auf Migrationshintergrund,
bis sie daheim lustlos grillen müssen,
ein paar französische Mütter,
sehen tatsächlich noch ein bisschen nach

der Verworfenheit aus, die man ihnen seit
Ludwig XIV. unterstellt, das Nichtstunmüssen steht
ihnen in ihrer Gereiztheit so gut, wie die
Vulkandichte für die flüchtende Ecuador-
Bevölkerung, ein paar Stühle fallen, Sprösslinge
zerren, links und rechts knallt es an die

Backen, Aufschrei jagt durch das Deck,
und kein Jugendamt weit und breit, der Planet
für einen Moment halbiert, physisch macht
sich Ablehnung wie auf einer Lepra-Station
breit, ein Bengel brüllt konsequent über
seine Verhältnisse, im Mutterblick der

Gedanke, dass die Herrlichkeit doch lieber
im Bauch geblieben wäre, dazu Teilnehmer von
„Dicksein kennt keine Grenzen“, Opa mit loyaler
Oma und knuffiges Enkelkindlein, die um die Wette
füttern und mit Weißbier Babystückchen verdünnen,
Rettung zuhaus im alternativ-gemütlichen Biotop!

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