madless
#39 Alleinstehende Geräusche
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Das Wasser mit lockiger Murmelmusik,
pfeift auf Manieriertheiten und
mimosenhafte Zierereien, die Wellen
kommen als Relief daher, turbulent,
Gemütsschwankungen müssen ihr
Vorrecht an anderem Platz genießen,

Naturgefahren noch eher in der
oberengadiner Landschaft wo
geheimnisvoll wagnerisch-nietzescher
Geist weht, unheilvolle Ouvertüren
der Plätschermusik kann noch nicht
mal ein Blitzschlag das Wasser abdrehen,

sowieso permanenter Übergang,
unbeirrt führen Macbeth-Hexen hinter
den Büschen ihren  überladenen Tanz auf
und feiern exstatisch die Erfindung der Sünde,
geheucheltes Bedauern den Strauchlern
hingestreut, die sich geplättet von Joint

und Bierkasten an der Isar, in die Fluten
werfen, erschaudern mit kalten Beinen
später vergeblich am Ufer die graziöse
Stellung des Dornausziehers im Pariser
Louvre wiederholend üben, die Wellen
präludieren ihre eigenen Konzerte,

so als wollen sie den Starrenden und
nur Abkühlenden zufauchen, Gequietsche aus
dem Maria Einsiedel-Bad was der Wind
aufzehrt und betonte Körper nach
Mäzenatentum streben, Hitzestoß dämmt
Ruhelosigkeit, die windschnellen

Bösartigkeiten mit den Lügen immerfort gespült,
in den Wellen die Kraft mit Rhythmuswechsel
eine Tragödie zu schaffen. Pelléas
führt Mélisande zum Brunnen der
Blinden, dessen Wasser die Sehkraft
im Glauben daran zurückgeben soll.

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