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#42 Tief im Westen – Cabo da Roca
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Eine Nussschale, könnte wohl auch ein
Schiff gewesen sein, zieht am Felsen
schläfrig vorbei, die Wellen kurzatmig wie
Lebenslinien an der Hand, der Fluchthelfer
vom ersten Atemzug ein Bastard,
der sich wie Caligula 2.0 aufführt,

der Leuchtturm markiert keinen
Alarm, Flüchtlinge gingen wohl bereits
vorher von Bord, wieviele Klümpchen
Schweiß der gekauften Angst sich auf den
Wangen bildeten wissen nur die Wellen,
die sich wie ein Tabucchischer

Geschichtenverkäufer reich rund verdienen
könnten. Die Wellen wackeln unverdrossen
mit den Hüften, das goldene Zeitalter hört sich
verschnupft an, die Gewürze lang schon
von den industrialisierten Freibeutern
weggeblasen, der Schaum bei den Klippen

nestelt sich zu dreidimensionalen
Diamantspitzen, wenn die Sonne ihren
Glanz in Auftrag gibt, die inneren
Vulgaritäten die einen umtreiben, die Plage
die man dem ein oder anderen wünscht,
vorbei, schlendert an den Atlantikgrund,

die Reisebusse mit den exakt getakteten
Copa de Roca-Besuchern ächzen an,
das Quietschen der eléctricos in Lisboa
eine “Arte Antigua” die hingegen vertraut
hinter den sieben Hügeln verbleicht,
die Heilige Schrift der Reiseführer wird

kurz abgecheckt, der Wind braust
erfrischend wie Salatblatt in Essig-Öl-Marinade,
die Wellen schlagen an mit Glasuren,
während die Besucher sich an dem Klippenzaun
wie am mehrspurigen Bahnsteig tummeln,
streng nüchtern wird von allen Seiten geknipst.

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