madless
#43 Die Wäsche schweigt
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Der Starnberger See nickt mit seinen
Wellen verschwiegen den heißhungrigen
Sommergästen zu, Blätter rascheln
mit innerer Nervosität, die eigentlich zu
den Vorstadt-Dealern gehört, die mit
zuckenden Insekten am Bootsstrand sitzen.

Wäsche fließt mit ihren unsichtbaren
Botschaften in den salzverkrusteten
Edelstahlhimmel, schwebendes Minenfeld,
die befleckte Liebes-Signatur wäscht sich
mit dem Geflüster des jähen Wogens
auf alten Wunden im Sog der

organisierten Lust davon. Einschusslöcher
der falschen, flachen Versprechungen, die
sich in den Smog gehüllt in den Untergrund
gestoßen ohne rechtsstaatliche Prozeduren
aus der Sicht machen. Die alten Sünden
der Hydra zum Fraß vorgeworfen,

die reißt sich selbst den Kopf ab und das
Herz sucht sich eine neue Heimat,
flinke Handgriffe üben sich später für
größenwahnsinnige Bettsurrealitäten ein,
Ergebnis sind homöopathische
Liebesdosen, das Schlangenmaul

liegt verknöchert am Kompost,
der beseelte Prägedruck mit heftigen
Umarmungen aus der Propellerwerkstatt
macht aus dem „Pale King“ einen über
seine Verhältnisse Genießenden,
der das Konfektionsstück Zweisamkeit

mit einem geklauten Lächeln wortlos
auf den Warentisch zurückschmeißt,
später als Burroughs mit flinker Hand
lärmt, „Ich will was zum Schießen!“.
Nur die Bettwäsche erinnert sich noch
an trunkene Selbstvergessenheit.

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