madless
#5 Fisch im Baum
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Hier kann man sich die verstörende
Nervosität wegmeditieren, zur privaten
Andacht mit nach Hause nehmen und
Kraftströme die wie Luftblasen in den
Mineralwasserflaschen schaukeln
verzaubern einen zum Humboldt-Scout,

die kleingeistigen Reifenwechsel
im brisanten Leben, richten ihre
Vertiefungen im Straßenbelag schon
von allein an, orientierungslos scheppert
man ins nächste Labyrinth, wo die
Pharmakonzerne mit ihren fetten Buffets

und den launigen Isomeriebatterien,
die Wände bestäubten als wollten sie
einen Heilstollen mit Salzluft phantasieren,
der die grobe Wirklichkeit mit zarten
Mädchen schmückt, die sich leise wie
Grashalme winden und doch nur

falsch spielende Gefährtinnen der Hydra
sind, den Gewissheiten die Köpfe
abreißen und die Träume mit einer
Gratiskostprobe Konflikt und freien
Radikalen versetzt, die Sommernächte
treiben in einer triefenden Welt,

wo auch der nächste Wohnungstausch,
das übereifrigste Billy-Regal aus IKEA-
Paradies, alles was kein noch so raffiniertes
bittersüßes Frühstück mit prominenter
Besetzung anrichtet, letztendlich feststellt,
dass doch nur der Katzentisch

ohne Zen-buddhistische Leidensvermeidung
angerichtet ist, die Überflussgesellschaft
glänzt anderswo,  auch beim Reinigen der
Wohnung flirrt die Skepsis mit Staub und
Milben im Licht, womöglich meditieren sich
Schwindelgefühle mit dem Fisch im Baum weg.

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