madless
#51 Pausieren im Raumschiff
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Nackte Götter und Nymphen
umspringen die Fontana der
Piazza Pretoria, im Muncipio
setzt die Freitags-Trägheit
ein, die Frühlingssonne ein
Visafreies Kunstprodukt,

ausgehungert danach die Bleichen
und Deutschen. Goethe hatte an dem
Platz was auszusetzen – aber
wann moserte der Alte mal nicht rum,
sah er den Senatorenpalast doch
für sich mehr angemessen in dem

die Bekannten sitzen. Den
Kutscher interessiert das alles
nicht, solle sie doch alle die
Kuppeln, kreuzgratgewölbt die
Stadt, zitronengelb-himmelblau
fotographieren, schäumende

Dramatik und augenfesselnde
Plastizitität bietet im Moment
nicht das alte Marmor-Mammutwerk,
sein Handy berstet mit neuer
Ornamentik, ein paar optische Reize,
abschätzende kleine Blicke wie

Hartgummigeschosse, unbewusstes
Inszenieren der Beine, von Gloeden
würde es nicht schmachtend
interessieren, es reicht eh schon
wenn daneben die Touristen über
Pflaster schimpfen und penetrante

Kutschfahrt-Akquise, die fällt heut aus,
in seinem codierten Existenzialisten-
Look hat er sich in seinem
selbst verwalteten Raumschiff,
von Neptuns Flottenkommando
beäugt eingerichtet.

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