madless
#67 Der Tag ohne Rouge
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Vor den Matratzengeschäften
in den Häuserzeilen legt sich
die Euphorie morgens nur in
einsamen Spitzen auf die
Polster, der Langschläfer
in seiner Weltvergessenheit

empfindet das Zappeln der
Pappelblätter unerträglich,
den Kampf mit dem
Laubbläser wird er wohl kaum
aufnehmen, dem Aufruf zur
Selbstoptimierung versucht

er die Kehrtwende mit
Leibesenttüchtigung
herbeizuführen, draußen
die stillgelegten Ich-Monologe
die sich mit pausenloser
Kommunikation in die Wüste

stampfen, die kleine
Kaffeebar mit ihren niedlichen
Küchlein buhlt mit dem
„Proust-Effekt“ und drückt
noch dem Verschlafensten
den Sinneseindruck mit

Marzipanschleife auf,
Nimmerwiedersehen blinken
ein paar Traditionen und
Schopenhauer blickt gekränkt:
„Das hab ich immer schon
gewusst“, der Himmel pinselt

sein synthetischstes Blei
und mit der Arroganz eines
Juwelendiebs schnappt sich
das Innehalten die Kürzel
der Mimosen und nimmt die
Schwelle für den Tag ohne Rouge.

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