madless
#68 Hamburg – im Jenischpark
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Im Ernst-Barlach-Haus erinnern
Postkarten, mit denen „Brücke“-
Künstler ihre Liebsten daheim
grüßten, keine Ahnung woher sie
die Zeit für den aufwändigen
Kunstprozess nahmen und aus

manchen Seemotiven meint man
den Wind noch fauchen zu hören,
die Besucher auseinanderstrebende
Hintergrundgeräusche, angenehmer
Wasserfall an Worten die man nur in
floskelreinen Kreuzgängen vermutet,

zwei Jungs im verhaltensauffälligen Alter
sitzen wortkarg angenehm mit ihren
Handys vor den Glasscheiben des
Innenparks. Anfangs aufgedrehtes
Hin- und Herrutschen, immer wieder
neugieriges, belächelndes

Schauen auf den Boden des
Innenhofgartens, wo der
Künstler Motoi Yamamoto mit Salz
Wolkenwirbel der „floating gardens“
schafft, meditativ, lichtvolle Gestalt,
hier ist einer so bei sich, unheimlich,

so gemein anmutig, dass man sich
mit der Zeit unter Naturschutz
gestellt fühlt, sogar die latent lästernden
Jüngelchen müssen sich zur Ordnung
an die Spielkonsole rufen, man zählt
seine eigenen Schicksalsschläge auf,

aber keiner wird solch eine Ruhe-
Offenbarung sein, wie viel innerliche
Bescheidenheit braucht es für
dieses virtuose Salzzellen-Gemälde,
hier korrespondiert einer obwohl er
nicht spricht. Draußen flottieren Datenbündel weiter.

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