madless
#71 Hospiz – St. Christopherus
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Hinter der „Mae West“ suchen
sie sich ihren Platz, im Hospiz
St. Christopherus, jetzt wärs
eigentlich an der Zeit versaute
Lieder zu plärren im Endlosloop
„Would you like to see my pussy?“,

das Urnenangebot und die bitteren
Anklagen interessieren nicht,
die Pfleger so zuvorkommend,
dass man sich nicht mal wie beim
Zugpersonal beschweren kann,
und nicht mal ein Kreuz stört,

Delegationen mit Blumen
erscheinen flüsternd wie
Résistance-Gruppen, die wie
Buchhalter die meisten Toten
verbuchen wollen, der
Wandstrich ist im eigenen

Schweigenschreibstil geschmückt,
nur nicht hysterisch werden,
Madame Bovary fühlt sich hier
nicht feixend überlegen,
aber auf ihren dünnen Ärmchen
schimmert hauchzarter Stoff,

bedenke, dass du Staub bist,
jetzt ist die Taille endlich so schmal,
die störrischen Kalorien legen sich
nicht mehr an, obwohl wie in
Schöpfkellen Speisengenuss
appetitlich serviert wird,

Misanthropie ist jetzt nur noch
was für Dilettanten,
als „humaner Céline“ verscharrt
man das Glioblastom und ist
niemand bös, kniehoch stapelt
sich Konfekt, für eine Sekunde das Heil der Zukunft.

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