madless
#73 Eichstätt – der Domdechantei verpflichtet
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Eichstätt mit zwei Bahnhöfen,
in der Schrobenhausener Bahn
angenehme Ruhe, kennt man
ja nicht mehr in Regionalzügen,
keine natürliche Vulgär-Elite,
die ihre grotesken Gespräche

mit lästigen Over-The-Top-Blödsinn
ins Abteil elexieren; die Stadt
ein beschauliches Treppenhaus,
sogar die Altmühl mit ihren
glitzergrünen Weiden die ihre
Äste wie Oscar-Roben ins Wasser

hängen, noch ein paar Engelsfiguren
dazu und der Hochaltar ist fertig,
von der Baumkanzel flöten ein
paar Schutzengel, die sich
vom Leonrodplatz davongestohlen
haben, hier wurde die „Prelle“

bei den unaufrichtigen Bäckern
erledigt, wie sie im Zwinger
getaucht und bestraft werden,
eigentlich blickt man die
meiste Zeit durch zierliche
Butzenscheiben, hinter den

wehrhaften Zinnen das ein
oder andere Votivtäfelchen,
das mit dem heiligen Willibald
die Genesung erfleht, hier
bewirft man den lieben Gott
selig mit Gelassenheit,

Territorium der stuckierten
Fensterumrahmungen und
unaufgeregten Studenten,
der Sänger von „Gwar“
Dave Brookie plötzlich verstorben,
im Dom-Mortuarium wäre noch ein Plätzchen frei.

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