madless
#74 Sunday Talk
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Sonst im Klammergriff der Alltäglichkeiten
festgehalten,  das Zurechtstutzen der
eingewanderten Pollengeschwüre die
sich rasend ein Zugehörigkeitsgefühl im
Menschenpark erobern wollen, fordert
zum Abwehrverhalten als Lebensstandard

heraus, der Sonntag mit einer Ruhe
spielend, als wäre er versehentlich auf
die Erde geworfen, doch am „Tambosi“
Kette rauchend die Lehel-Schicksen, bereit
für ihren Freundinnen-Treff mit Seelenlage
wie zerbombte Hochhausquartiere,

im Hofgarten spielt ein Straßenmusikant mit
Alphorn – verboten, verboten, tönt es hinter
Proseccoschalen, doch unbeeindruckt
tönt der Klang,  wohlwissend dass er nicht
mit Verführungskunst zu höheren
außermusikalischen Ebenen aufsteigen wird,

die verspannten Nacken- und Schultermuskeln
muten zu, aber einen Nerv eines Hörers
wird der milde genialische Ton treffen, und
einem Stadtflaneur liegt ein verbindlicher
Liebesbeweis für eine Unbekannte auf den Lippen,
vornehm leise umkreisen Bergfinken die

Goldarchitektur, das Fieber der Stadt noch schläft,
in den Arkadengängen markiert eine neue Grace Kelly
ein paar Sehnsuchtsmotive für Touristen, nun weg
von den alten Bausubstanzen und hin zur
haut cuisine, während woanders der Spargel mit
mürrischer Pappcreme demoliert wird, erlebt man in

der Küche eines unbekannten Connaisseurs eine schwingende
Wiederauferstehung in jeder glänzenden Spitze
und Spargelmotive fortgeführt mit umkreisenden
Aroma, das sich mit dem blühenden Wein bestens versteht,
polierender Abschluss:  Rhabarberspitzen, die rosig
wie in Boucher-Fragonard prassender Sahne wippen.

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