madless
#87 Sommer-Trance
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Die Requisiten des Sommers
ziehen weiter, Fremdgeher
kehren wieder zu ihren Liebsten
zurück, frivole Spielchen am
Badesee mit angespülten
Zärtlichkeiten werden nur noch

von der Ferne angetastet,
der Schwule in Lederhosentracht
und speckglänzenden Rumpf,
der sein intensives Existenzerleben
am Gärtnerplatz zelebrierte und
der die blauen Flecken auf seinem

geschundenen Bacon-Körper
ignorieren will, spielt den Verdorbenen
seit eh und jeh, dabei erzählt sein
Auftritt doch nur noch von den
Heimsuchungen des Körpers,
nur noch die Blumenbeete vor ihm

hinreißend schön, knapp am Kitsch
vorbei geschrammt, wie Zurbaráns
gen Himmel gerichtete Augen,
morgen wird er Strumpfhosen
ausprobieren, es wird wenig für
ein Gemeinschaftsgefühl helfen,

sättigend waren die Epiphanien
der bienenluftigen blendenden Tage,
offensive Gebärden die distanzfrei
sich durch Grillschwaden zweideutig
geschmückte Fleischstücke
grabschten, tags drauf mit

Depressionen aus der Hölle kämpfen,
der Fusel, der zu nah rückte,
taugt heute nur noch als Nietzsche’sche
Grabstätte der Kontemplation,
einige werden sich jetzt in die Ecken
verkriechen, andere schlüpfen in den Trance.

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