madless
#89 Madrid – Bates Motel (Hotel Gran Atlanta)
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Aus dem Taxi fällt man die
Treppen runter an die Rezeption,
auf den verwitterten Sofas
spielten sich einst unverhüllte
Romantikbewegungen ab,
Calderon de la Barca und sein

Gran Teatro spiegelt Lebensfreude
nur noch mit den Spinnwebfäden,
die Teppiche der Lüfte bilden,
die Rezeptionistin, professionell,
keine Trödlerin, schmaler Körper,
Haare zerzaust wie Patti Smith,

Lippenstift kräftig aufgetragen,
als Mahnung Beschwerdesteller
an ein feuriges Rad zu binden,
nicht ohne Würde, doch lustlos,
zart verläuft da nicht auch etwas
Verzweiflung in den Mundfältchen,

und haben nicht auch sprachliche
Verwüstungen mit den Kleinkriegen
ein hohes Maß an Plastizität
eingefurcht, ihr Gesicht könnte
auch ein nobler Wappenvogel,
dieses sich im Staub sich wälzenden

Hotels, sein, vom voucher tippt sie apellido,
später ruft sie einen mit Vornamen,
später wird man sich noch im Altenheim
erinnern, wie honigsüß das klang,
wenn man nur noch Nachname ist,
während sie mit Papieren raschelt,

im Selbstgespräch sich erforscht,
die innere Selbsterforschung lenkt die
Arbeitsschritte nicht ab, Hitchcock
trollt sich in seiner Imagination während
Elfriede Jelinek am Klavier sitzt,
vielleicht währte die Dekadenz der Jugend nicht so lang.

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